„EXPERTENTIPP – Polizei“ heißt meine Kolumne auf der Ratgeberseite der Volksstimme, in der ich immer wieder einmal über aktuelle Fälle aus Sachsen-Anhalt informiere und Tipps zur Kriminalitätsvorbeugung gebe.

Cartoons von Sven Kirchner

 

 

Betrug mit Google Play Karten

 

Böse erwischt hat es eine Verkäuferin eines Gemischtwarenladens in einem Dorf. Zur Angebotspalette des kleinen Geschäfts gehören auch Zahlkarten verschiedener Anbieter. Unlängst meldete sich telefonisch eine Frau, die sich als Google-Mitarbeiterin vorstellte. Sie erklärte, dass Google aus Sicherheitsgründen keine Google-Play Karten im Wert von 100 bis 500 EURO anbieten würde. Um die Karten zu sperren forderte sie die Verkäuferin auf, die jeweiligen Codes der in ihrem Geschäft vorrätigen Karten zu übermitteln. Dies tat die Angestellte, rief aber anschließend ihren Chef an, weil ihr die Aktion „komisch“ vorkam. Umgekehrt wäre es besser gewesen. Der Chef merkte sofort, dass Betrüger am Werk waren. Er informierte umgehen die Polizei. Das änderte aber nichts daran, dass die Empfänger der Codes im Internet damit fleißig einkaufen konnten. Mit derartigen Gutscheincodes kann man die neusten Apps, Filme, Musik und vieles mehr einlösen.

Ähnlich gelagert war ein Fall, bei dem ein vermeintlicher Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung einer Supermarktkette in einer Filiale in Magdeburg anrief. Er erklärte, dass Ukash-Karten der Wertekategorien 50 € und 100 € aus technischen Gründen nicht mehr eingelöst werden können. Mit den Codes solcher Ukash-Karten kann bei vielen Anbietern im Internet für den entsprechenden Wert eingekauft werden. Ausgedruckt werden die Codes auf einem Beleg, der ähnlich aussieht wie ein Kassenbon. Der Anrufer forderte die Schichtleiterin der Filiale auf, alle entsprechenden PIN-Codes zu notieren und sie ihm mitzuteilen. Bei einem erneuten Anruf des Mannes, etwa eine Stunde später, gab die Verkäuferin PIN-Codes im Gesamtwert von ca. 10.000 € durch.

Grundsätzlich gilt: PIN-Codes von Wertkarten nie per Telefon oder Mail an Fremde herausgeben.

 

Wenn Gier das Gehirn vernebelt

 

Zur Zeit sind Reisen nach Tunesien nur mit erheblichen Einschränkungen möglich. Wenn Sie es doch wagen, sollten Sie aufpassen, dass Sie nicht in die Falle tappen, die bei einem 74jährigen zuschnappte. Bei seiner letzten Reise nach Tunesien hatte er sich einen Teppich gekauft und nach Deutschland schicken lassen. Jetzt, über ein Jahr später, stand ein Mann vor seiner Tür, der erklärte, dass er leitender Mitarbeiter in eben der Manufaktur in Tunesien sei, aus der er seinen Teppich habe. Den Weg zu dem Rentner hatte der Tunesier aus einer angeblichen Notsituation heraus unternommen. Nach seinen Worten stehe in Hamburg beim Zoll ein Container mit Teppichen im Wert von 300.000 Euro, die er nicht einlösen könne, weil er seine EC-Karte verloren habe. Und nun kam die Bitte an den Rentner, ihm mit 30.000 Euro, die angeblich als Zolleinfuhrsteuer fällig wären, auszuhelfen. Natürlich würde sich die hilfreiche Geste für den Senior auch lohnen, denn er bekäme nach der Einlösung der Ware sein Geld zurück und 3.000 Euro Provision. Damit der Rentner sich davon überzeugen könne, dass alles rechtens sei, bot der Besucher ihm an, persönlich mit zur Geldübergabe zum Zollamt nach Hamburg zu fahren.

Gesagt, getan. Der Rentner hob das Geld ab. Wie verabredet erschien eine Frau vor seiner Haustür und beide fuhren mit einem Taxi nach Hamburg. Während einer Pause unterwegs verlangte die Frau schon einmal das Bargeld, um es nachzuzählen und verstaute es dann in ihrer Handtasche. In Hamburg angekommen, forderte sie den Taxifahrer irgendwo in der Stadt auf, kurz anzuhalten, stieg aus und verschwand mit dem Geld.

Na ja, ich glaube es lag nicht nur am fortgeschrittenen Alter, dass der Rentner sich auf diese windige Sache eingelassen hatte. Raffgier und die Aussicht, mit geringem Aufwand in kurzer Zeit einen Haufen Geld zu verdienen, haben ihn schlicht und einfach um sein logisches Denkvermögen gebracht.

 

Statt Enkeltrick – Schockanruf

 

Es gibt ihn noch, den klassischen Enkeltrick, der mit einem „Hallo ich bin’s …“ beginnt. Die Telefonbetrüger werden aber immer kreativer und skrupelloser mit ihren Aktionen. Unlängst erhielt ein 68-Jähriger aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark einen Anruf von seiner vermeintlichen Tochter, die schreiend und weinend, völlig aufgelöst darüber berichtete, dass sie jemanden totgefahren habe. In dieser Situation übernahm eine angebliche Polizistin das Telefon und erzählte, dass die Tochter beim Autofahren mit dem Handy beschäftigt gewesen sei, ein Stoppschild übersehen habe und dann einen Radfahrer tödlich verletzte. Die Tochter müsse nun in den Strafvollzug, könne aber gegen eine Kaution von 50.000€ freikommen. Der schockierte und mit der Situation völlig überforderte Mann erklärte welche Summer er aufbringen könne. Damit einverstanden wies die Anruferin ihn an, das Geld zum Justizzentrum Potsdam zu bringen. Dort würde es, gegen Quittung, auf dem Parkplatz von einem Justizmitarbeiter übernommen werden. Zudem wurde der Mann aufgefordert, sein Handy während der ganzen Aktion an zu lassen und die Telefonverbindung zur „Polizistin“ nicht zu unterbrechen. Vor dem Justizzentrum nahm ein Unbekannter von dem Mann mehrere zehntausend Euro in Empfang und verschwand damit.

Die Betrüger setzen mit Schockanrufen ältere Menschen bewusst unter Stress, gaukeln immer eine gefährliche, teils lebensbedrohliche Situation für nahe Angehörige vor und drängen stets auf eine schnelle Erledigung. Um den Betrug zu verschleiern, wird häufig verlangt, dass mit niemanden darüber gesprochen werden darf. Kontrollanrufe mit Fangfragen oder wie in diesem Fall die Forderung das Telefongespräch nicht zu unterbrechen, sollen verhindern, dass der Angerufene sich Hilfe bei anderen holt.

Egal unter welcher Legende derartige Anrufe ankommen, das Prinzip für den Angerufenen muss immer sein, heraus zu bekommen ob es tatsächlich um einen Angehörigen oder guten Bekannten geht. Dazu stellt man eine Frage, die nur er oder sie wissen kann. Z.B. „Wie ist der Vorname von Mutti?“. Diese Frage kann auch an die „Polizistin“ oder einen „Staatsanwalt“ der angeblich im Auftrag der Betroffenen anruft, gestellt werden. Rufen Sie die vermeintlich betroffene Person an oder sprechen Sie mit anderen über den Vorfall. Geben Sie nie Geld an unbekannte Personen und informieren Sie umgehend Sie die Polizei.

 

Abzocke durch „Handwerker“

 

Die knapp 30m lange Mauer am Grundstück von Herrn B. aus Nitzow hatte dringend einen neuen Farbanstrich nötig. Da passte es dem 65jährigen gut, dass sich zwei Herren bei ihm meldeten und anboten, die Mauer zu streichen. Die geforderten 170€ Materialkosten und 300€ Lohn schienen ein akzeptabler Preis zu sein. Herr B. stimmte zu und schon eine knappe Stunde später waren sechs Männer vor Ort, die sich sofort an die Arbeit machten. „Nun gut“, sagte sich Herr B., „sind sie halt eher fertig“. So war es auch aber was dann kam, ließ den Blutdruck des Nitzowers extrem steigen. Der Wortführer der Gruppe sprach jetzt von 170€ pro Meter, die angeblich vereinbart waren, was schnell mal 4500€ machte. Seine fünf Kumpanen bauten sich als Drohkulisse auf, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. Sie hatten allerdings nicht mit der Standhaftigkeit des Senioren gerechnet. Der zahlte nur die 470€ und drohte energisch damit, die Polizei zu verständigen. Nach einigem Hin und Her zogen die Wanderarbeiter mit ihren Autos, an denen polnische Kennzeichen waren, ab. Glück gehabt! Weniger gut kam vor einiger Zeit ein Nachbar von ihm davon. Der hat dem Druck nicht standgehalten und 3000€ für einen qualitativ schlecht ausgeführten Austausch der Dachrinnen seines Hauses bezahlt.

Sie sollten bei reisenden Handwerkern einiges beachten:

  1. Lassen Sie grundsätzlich Vorsicht walten. Im Fall einer Reklamation stehen diese Handwerker nicht mehr zur Verfügung.
  2. Fordern Sie ein schriftliches, verbindliches Angebot ein, das eine Preiserhöhung während der anstehenden Reparatur ausschließt.
  3. Lassen Sie sich die genaue Anschrift der Firma geben und den Ausweis des Verantwortlichen zeige (Namen notieren). Prüfen Sie im Internet oder lassen Sie sich Auskünfte über das Unternehmen von der Handwerkskammer geben.
  4. Sollten Sie mit überzogenen Forderungen konfrontiert werden oder die Handwerker setzen Sie mit Drohungen unter Druck, informieren Sie die Polizei über 110.

5. Vermeiden können Sie all diese Probleme, wenn Sie sich von vornherein an regionale Handwerker wenden.

 

Unreine Diamanten

 

Dass man ein Geschäft mit echten Diamanten machen kann und dennoch kräftig übers Ohr gehauen wird, bekamen überwiegend Geschäftsleute von kleinen und mittleren Unternehmen wie Apotheken, Fleischereien oder Bäckerläden zu spüren. Edelsteinhändler sprachen zielgerichtet diesen Personenkreis an und boten – als sichere Anlage – den Verkauf von

echten Diamanten an. Zu den Prunkstücken gab es ein Echtheitszertifikat einer in Insiderkreisen bekannten Firma aus den Niederlanden. Und – man sollte es nicht glauben – dieses Zertifikat war tatsächlich echt. Selbst telefonische Rücksprachen mit dem Unternehmen bestätigten den legalen Charakter der Transaktion. Der Haken lag aber in der Qualität und dem dafür absolut überteuerten Preis. Auch schlechte Diamanten können echt sein. In den erwähnten Fällen waren allesamt nur einen Bruchteil des bezahlten Geldes wert. Anzeige erstatteten nur wenige Betroffene und das deshalb, weil nicht selten Geld,

das man an der Steuer vorbeigeschleust hat, verwendet wurde.

Wenn Sie sich für einen Diamantenkauf als Wertanlage entscheiden, dann bei spezialisierten Fachhändlern und nicht „an der Haustür“. Der Diamant sollte unbedingt von einem renommierten gemmologischen Institut zertifiziert sein (z.B. GIA-, HRD- oder DPL-Zertifikat).

Also, liebe Geschäftsleute: Lassen Sie sich nicht blenden vom Glanz minderwertiger Steine, sonst könnten euphorische Gefühle über ein vermeintlich gutes Geschäft leicht in anhaltenden Frust verwandelt werden.

 

Der Trick mit dem PKW-Schlüssel

 

Dass Diebe sich in Autohäusern mit falschen Personaldokumenten PKW für Probefahrten leihen und diese dann nicht wieder bringen, ist eine bekannte Masche. Im vergangenen Jahr verschwand so ein vermeintlicher Autokäufer mit einem Audi Q7 aus einem Autohaus im Norden unseres Landes. Was sich ein Täter aber vor einiger Zeit bei einem Vertragshändler geleistet hat, war mal etwas völlig Neues. Das Objekt seiner Begierde war ein hochwertiger Opel. Von einer Verkäuferin ließ er sich auf dem Betriebsgelände des Händlers das Fahrzeug zeigen und alle Vorzüge preisen. Zu einer solchen Vorführung gehört natürlich auch, dass man sich mal hinter das Lenkrad setzt. Um die Bedienelemente ausprobieren zu können, ließ er sich von der Verkäuferin den Schlüssel geben. Mit sichtlich zufriedenem Gesichtsausdruck händigte er den Schlüssel wieder aus und verabschiedete sich. Am darauffolgenden Morgen war genau dieser 41000 € teure Wagen verschwunden. Bei der Überprüfung der Kfz-Unterlagen musste der Geschäftsinhaber feststellen, dass durch den Dieb der Originalschlüssel gegen einen artgleichen anderen Schlüssel ausgetauscht worden war. Als am Vortag die Verkäuferin davon ausgegangen war, dass sie mit der Schlüsselfernbedienung das Fahrzeug ordnungsgemäß verriegelte, muss der „Kaufinteressent“ zeitgleich mit dem bereits vertauschten Originalschlüssel die Verriegelung vorgenommen haben. Na ja, manchmal ist es echt schwer die Tricks der Gauner zu durchschauen. Für Autohausbesitzer sollte diese Geschichte ein Alarmzeichen sein.

 

Wertsachen kennzeichnen

 

Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei vor kurzem eine größere Menge Diebesgut sicher. Darunter auch mehrere Kilogramm Schmuck. Dinge, die eigentlich zurück zu ihren rechtmäßigen Eigentümern müssten. Das geht aber häufig nicht, weil die Täter zwar zugeben, dass die Sachen schlichtweg geklaut sind, sie aber einfach nicht mehr sagen können wann und wo. Und Sie können mir glauben, manche klauen so oft, dass sie das tatsächlich nicht mehr wissen.

Noch schlimmer ist die Situation, wenn gestandene Kriminalisten bei Hausdurchsuchungen ihre linke Hand verwetten würden, dass der eine oder andere Gegenstand mit Sicherheit aus einem Diebeszug stammt, sie es dem Täter aber nicht nachweisen können, weil einfach Merkmale fehlen, die den Gegenstand identifizieren. Nun hoffe ich ja von Herzen, dass Sie nie von Dieben heimgesucht werden aber für den Fall, dass es doch passieren sollte, sind sie gut beraten, wenn Sie einige Dinge beachten:

Fertigen Sie eine Liste an, in der Sie den Gerätetyp, Hersteller, Marke und individuelle Gerätenummer erfassen.

Ein Ordner mit den Gerätebeschreibungen und dazugehörigen Kaufbelegen helfen bei der Schadensregulierung durch Ihre Versicherung.

Eingravierte Initialen erleichtern der Polizei den Nachweis, dass es sich tatsächlich um Ihr Eigentum handelt.

Von schwer zu beschreibenden Gegenständen wie Schmuck, Teppichen, Gemälden, Skulpturen oder Antiquitäten sollten Sie Fotos, möglichst mit angelegtem Maßstab fertigen.

Ganz wichtig: Wertsachenlisten, Fotos und Versicherungsunterlagen an einem sicheren Ort aufbewahren, damit Einbrecher sie nicht mit entwenden können.

 

Betrügerische Fahrzeuganbieter

Sie tummeln sich im Internet genauso wie im Anzeigenmarkt der Zeitungen, die Betrüger, die versuchen, Ihnen gegen Vorkasse Fahrzeuge zu verkaufen und dann nicht liefern. Auf den ersten Blick ist nicht immer zu erkennen, ob eine Anzeige in der Zeitung oder im Internet seriös ist. Hier zu selektieren und vermeintliche Betrugsanzeigen erst gar nicht zu veröffentlichen, ist für die Anzeigenredaktionen unmöglich.

 

Eine Leserin interessierte sich für einen Traktor, der per Annonce angeboten wurde. Über E-Mail bekam sie Kontakt zu dem Anbieter, der erklärte, dass er für eine polnische Firma Fahrzeuge vertreibe. Für die Lieferung nach Deutschland wurde eine Vorkasse von 50 % des Verkaufspreises verlangt. Eine telefonische Nachfrage bei dem polnischen Unternehmen ergab, dass der Anbieter dort nicht bekannt ist. Richtig gehandelt und viel Geld gespart! Zahlungen für derartige windige Geschäfte laufen in der Regel nicht als Überweisung

auf ein Konto, sondern als Geldtransfer über die Western Union Bank oder über MoneyGram. Das sind durchaus legale Methoden. Der Haken dabei: Das Geld wird an eine bestimmte Person (in der Regel im Ausland) gesendet. Diese Person kann dort bei einer Außenstelle oder einem Agenten das transferierte Geld abholen und damit verschwinden, ohne dass die tatsächliche Identität feststeht.

Um beim Kauf nicht auf Betrüger hereinzufallen, empfehle ich Ihnen nach dem Erstkontakt auf folgende Dinge zu achten:

  • Genaue Postanschrift des Geschäftssitzes (Straße/Hausnummer)
  • Verständliche Geschäftsbedingungen
  • Ausführliche Infos zur Vertragsabwicklung, von Übergabe bis Zahlungsart
  • Hinweis auf Widerrufsrecht
  • Hinweis auf Gerichtsstand in Deutschland

Recherchieren Sie im Internet zum Anbieter. Bei Serienbetrügern und unseriösen Firmen finden Sie häufig Hinweise auf kriminelle Praktiken. Um an Ihr Geld zu kommen, fordern diese Leute schon mal einen Vorschuss für angeblich notwendige Zahlungen beim ZOLL, für Transportkosten, als sogenannte Sicherheitsleistung oder, wie in unserem Fall, einfach mal so 50 % des Preises. Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, dann leisten Sie nie Vorauszahlungen. Erstatten Sie bei Betrugsversuch Anzeige bei der Polizei.

 

Feuer im Treppenhaus

Brandstifter haben unterschiedliche Motive und Methoden. Verheerende Folgen kann es haben, wenn sie Feuer in Treppenhäusern legen. Sie können viel dafür tun, dass so etwas nicht geschieht.

 

Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den Vorabendmagazinen der Fernsehsender keine blinkenden Blaulichter und Bilder von brennenden mehrgeschossigen Häusern zu sehen sind. Eine Horrorvorstellung, wenn das im eigenen Haus passieren sollte. Ganz gefeit ist niemand davor aber ob es dazu kommt oder nicht, liegt oft in den Händen derer, die in einem Mehrfamilienhaus leben. Brandstifter, deren Motive ganz unterschiedlich sein können, legen oft Feuer im Treppenhaus und ergötzen sich dann an der ausbrechenden Panik und dem Einsatz von Feuerwehr und Polizei. So ein Brand ist mit wenigen Mitteln gelegt, wenn etwas vor Ort ist, das sich leicht entzünden lässt. Es ist oft schwer, einen geeigneten Abstellort für den Kinderwagen oder den Bollerwagen der lieben Kleinen zu finden aber glauben Sie mir, das Treppenhaus ist ein denkbar ungeeigneter Ort dafür. Nicht umsonst verfügt die Hausordnung, dass das Abstellen von Gegenständen jeglicher Art in den Hausfluren, Treppenhäusern und gemeinschaftlich genutzten Räumen untersagt ist. So manch ein Kinderwagen ist schon in Flammen aufgegangen und die Sogwirkung, die ein Treppenhaus bietet, funktioniert wie ein Kamin. Der Qualm verbreitet sich rasend schnell und wo die Flammen noch nicht sind, stellt Rauchentwicklung akute Lebendgefahr dar.

Wer jetzt argumentiert, dass sich das im Treppenhaus abgestellte Fahrrad nicht so schnell anzünden lässt, vergisst, dass der fahrbare Untersatz schnell den Fluchtweg  blockiert oder die Arbeit der Rettungskräfte behindert. Meine Empfehlung: Geben Sie sich einen Ruck und besiegen Sie die Bequemlichkeit im Interesse der Sicherheit für Sie und die Mitbewohner Ihres Hauses.

 

Der „Sozialtelefonanschluss“

Unser Dorf bekommt ein Glasfasernetz, hoffe ich jedenfalls. Vorsorglich habe ich mich über die Vertragsbedingungen informiert und mich schon einmal angemeldet. Was mich erwartet ist ein schnelles Internet zu fairen Konditionen. Aber haben Sie schon einmal etwas von einem „Sozialanschluss“ für das Telefon gehört?

 

Nein? Ich auch nicht … bis sich ein entrüsteter Bürger an mich wandte und mir folgende Geschichte erzählte.

Er, Anfang 40, stattete seiner 90jährigen Oma einen turnusmäßigen Besuch ab, als es plötzlich an der Tür klingelte. Da wider Erwarten der Enkel statt der Oma die Tür öffnete, war der Besucher erst einmal erstaunt. Von der Situation überrumpelt, verkündete er, dass er eigentlich eine ältere Dame hinter dieser Adresse vermutet habe. Auf die Frage, was er wolle, erklärte er, dass er die neuen „Sozialanschlüsse“ für das Telefon legen wolle: „Das sind die, mit denen man kostenlos in Deutschland und ganz Europa telefonieren kann. Dafür brauchen Sie die Telekom nicht mehr“, so der Mann. Da sich der Enkel ein bisschen mit der Telekommunikation auskannte, entgegnete er dem Fremden geradeheraus: „Ach, Sie meinen einen DSL-Anschluss mit Flatrate für Telefon und Handy?“ – „Ja“, war die knappe Antwort. Die Frage, ob er von Vodafone, 1&1 oder O2 käme, beantwortete er dann auch eindeutig mit „Nein, ich komme von …“

In diesem Fall hatte der Verkäufer keine Chance, einer 90jährigen einen DSL-Vertrag mit Telefon- und Internetflatrate, der garantiert nicht kostenlos ist und den sie einfach nicht braucht, anzudrehen.

Sie sollten bei Leuten, die Wortschöpfungen wie „Sozialtelefonanschluss“ oder andere kuriose Begriffe benutzen, stutzig werden und genau hinterfragen, was sich hinter der Sache verbirgt. Wenn nicht, landen Sie schneller in der Vertragsfalle, als Sie es für möglich halten. Leisten Sie nicht sofort eine Unterschrift. Wenn Sie eine Nacht darüber schlafen, werden Sie oft feststellen, dass Sie diesen Wechsel nicht benötigen. Verlangen Sie eine Kopie des Vertrages, wenn Sie etwas unterschrieben haben. Diese Verträge können Sie innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen kündigen.

 

Panikmache um präparierte Visitenkarten

Sie kursieren in den sozialen Medien oder kommen per E-Mail, die Meldungen mit einem Warnhinweis vor präparierten Visitenkarten. Behauptet wird, dass von verschiedenen Tätergruppen Visitenkarten mit einer Droge (Burundanga) getränkt werden.

 

Diese Visitenkarten werden zum Beispiel Autofahrern an Raststätten gegeben. Der Kontakt mit der Karte bewirke Übelkeit, Atemnot und schließlich Bewusstlosigkeit. Angeblich verfolgen die Kartenverteiler ihre Opfer mit einem Pkw, bis diese hilflos anhalten müssen und berauben sie dann. Berichtet wird von einer Frau, die an einer Tankstelle von einem angeblichen Maler die Visitenkarte erhielt. Gleich nachdem sie die Tankstelle verließ, verfiel sie in einen Rauschzustand und bekam Atemnot. Im Rückspiegel beobachtete sie, wie der vermeintliche Maler sie mit einem weiteren Mann im Auto verfolgte. In ihrer Not fuhr sie auf einen Parkplatz, hupte und schrie fortwährend, was letztendlich die Verfolger dazu brachte weiterzufahren. An anderer Stelle wird die Geschichte abgewandelt und behauptet, auch Visitenkarten mit den Adressen vermeintlicher Autokaufinteressenten seien mit der Droge kontaminiert. Diese würden auf Parkplätzen, im Wohngebiet oder vor Supermärkten lauern und die Kärtchen hinter den Scheibenwischer klemmen.

Fakt ist, dass es die Droge Burundanga gibt. Der berauschende Wirkstoff der Droge wird aus Pflanzen gewonnen. Um eine ausreichende Wirkung zu erreichen, muss diese Droge jedoch geschluckt oder inhaliert werden. Eine Übertragung durch Hautkontakt ist nicht möglich.

Was hier verbreitet wird, ist als »Urban Legend«, auf deutsch »Großstadtmärchen«, bekannt und nichts anderes aus eine erfundene Geschichte. Der Kriminalpolizei ist kein Fall bekannt, in dem sich ein derartiger Sachverhalt tatsächlich zugetragen hat.

Sollten Sie eine derartige Meldung bekommen, dann ab in den Papierkorb damit. Vom Weiterleiten – und sei es nur zu Sensationszwecken – rate ich dringend ab, um nicht weitere unbegründete Ängste zu schüren, denn davon haben wir zur Zeit genug.

 

 

 

Im nachfolgenden Bereich finden Sie eine Auflistung der Artikel vergangener Jahre und gelangen über den darunter befindlichen Button zu den einzelnen Beiträgen.

 

Artikel 2020

 

104. Neue Autos gestohlen

103. Betrügerische Spendensammler

102. Betrugsversuch am Telefon

101. Die russische Brautmasche

100. Manipuliert Geldautomaten

99. Astrale Versuchungen

98. Kellereinbrüche in Mehrfamilienhäuser

97. Die Wechselgeldfalle

96. Unbestellte Weinsendung

95. Auto vor dem Hotel ausgeräumt

94. Kaution für verhafteten Sohn

93. Abzocke von Trauernden

92. Abbuchung trotz Kontosperrung

91. Der betrügerische Radwanderer

90. Falsche Warnmeldungen – CORONA

89. Nicht leichtfertig Geld verleihen

88. Falsche Mitarbeiter des DRK

86. Kredithaie auf Husbesuch

85. Millionen für den guten Zweck

 

Artikel 2019

 

84. Wanderhandwerker zocken ab

83. Das Zentrum für Scheckbuchungen

63 Trickdiebe in weißen Kitteln

82. Die Kette für die Geburtstagstorte

81. Dreiecksbetrug aud eBay

80. Betrug mit Arbeitsvermittlung

79. Falsche Bußgeldbescheide

78. Betrüger schröpfen Ärzte

77. Der Münzen-Trick

76. Gestohlenes Auto gerkauft

75. Schnäppchenfalle im Internet

74. Paket für den Nachbarn

73. Der richtige Schließzylinder

72. Sexartikel für den Verstorbenen

71. Vorsicht beim Parkscheinlösen

 

Artikel 2018

 

 

70. Kontaktbörse mit bösen Folgen

69. Trickdiebe auf Supermarktparkplätzen

68. Zur Geheimhaltung verpflichtet

67. Gefahr an der Wohnungstür

66. Betrugsmail von Online Pay

65. Mit Funk-Kreditkarte eingekauft

64. Erpressung per Mail

63 Trickdiebe in weißen Kitteln

62. Nepp mit Messern und Topfsets

61. Die Gewinnmitteilung aus Australien

60. Unverhofftes Lottoglück

59. Vorsicht Falschgeld

58. Vorsicht bei Lock- und Pinganrufen

57. Schlüsselcode gehackt

56. Falsche Spendensammler

55. Ihr Aktfoto online

54. Diebische Handwerker

53. Der richtige Fenstergriff

52. Der Feststellungs-Bescheid

51. Post von der Hellseherin

 

Artikel 2017

 

 

50. Manipulierte Geldautomaten

49. Betrugsmasche am Telefon

48. Das Konto für den Nebenjob

47. Vorsicht Handy-Nepp

46. Diebe im Fitnesstudio

45. Undercover-Agent

44. Der Anruf von der Telekom

43. Der große Lottogewinn

42. Trickdiebe auf der Autobahn

41. Betrügerische Wanderarbeiter

40. Der Staubsaugervertreter

39. Unverhofftes Lottoglück

38. Der Geldvermehrer

37 Der Geldwechseltrick

36. E-Mail über Steuerrückerstattung

35. Homejacking

34. Überzeichneter Verrechnungsscheck

33. Betrügerische Teppichhändler

32. Die Mail vom BKA

31. Die Masche mit der PIN

30. Betrug mit der Liebe im Netz

 

Artikel 2016

 

 

28. Taschendiebe in Aktion

27. Abzocke mit Behindertenware

26. Kleine Läden im Visier

25. Schlagen Sie Alarm

24. Und plötzlich war das Auto weg

23. Das Paket für den Nachbarn

22. Dachdeckerkolonnen zocken ab

21. Tatort Friedhof

20. Falschgeld im Umlauf

19. So sichern Sie Ihr Navi

18. Falsche Polizisten

17. Einschleichdiebe

16. Falscher Polizist am Telefon

15. Der Job als Verkaufsmanager

14. Der Trick mit dem Zentralen Gewerberegister

13. Betrügereien über falsche Onlineshops

12. Trickdiebe in der Wohnung

11. Kleine Spende großer Schaden

10. Diebstahl aus Einkaufswagen

9. Lautlos durch die Terrassentür

8. Abzocke über DHL-Packstationen

7. Einbrüche in Gartenlauben

6. Knallerei zum Jahreswechsel

5. Die Spendenfalle

4. Langfinger auf dem Weihnachtsmarkt

3. Kennzeichenklau

2. Verhängnisvolle Anrufe

1. Betrügerische Fahrzeuganbieter